Die Welt ist erfüllt von Kriegsgeschrei und Blutdurst. Menschen verlangen nach Streit und Gewalt. Doch Gottes Kinder sind gerufen, anders zu sein: Wer das Schwert sucht, ruft den Fluch über sich. Der Herr segnet nicht die Hand, die nach Waffen greift.
Es ist eine erschreckende Wahrheit unserer gefallenen Welt, dass Kriegslust und Kriegsgeschrei die Herzen der Menschen erfüllen wie ein giftiger Rauch, der aus den Tiefen der Finsternis aufsteigt. Wo immer wir hinblicken, ob in die Chroniken vergangener Zeiten oder in die Nachrichten unserer Tage, begegnet uns das gleiche traurige Bild: Das Menschenkind verlangt nach Blut und Streit. Es gibt eine seltsame, verderbliche Faszination, die vom Krieg ausgeht, eine Anziehungskraft der Gewalt, die Menschen in ihren Bann schlägt und sie vergessen lässt, dass jede Waffe, die erhoben wird, und jeder Kriegsruf, der erschallt, ein Zeugnis ist für das Versagen der Liebe und den Triumph des Bösen. In dieser Zeit, da die Trommeln des Krieges wieder lauter schlagen und viele Stimmen nach Vergeltung und Sieg rufen, ist es umso wichtiger, dass die Kinder Gottes eine andere Sprache sprechen, eine Sprache, die aus dem Himmel kommt und nicht aus dem Abgrund.
Die Heilige Schrift ist von Anfang bis Ende ein Zeugnis gegen die Kriegslust des Menschen und gegen jene verderbliche Neigung, Konflikte mit Gewalt lösen zu wollen. Schon im ersten Buch Mose, in der Geschichte von Kain und Abel, sehen wir, wie schnell die Sünde zum Blutvergießen führt. Kain erschlägt seinen Bruder Abel, und Gott spricht zu ihm in 1. Mose 4,10: „Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ Das Blut des Unschuldigen schreit zum Himmel. Jedes vergossene Blut hat eine Stimme, die Gott hört, und diese Stimme klagt an.
Gott fährt fort in Vers 11 und 12: „Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.“ Hier sehen wir den Fluch, der auf dem Blutvergießen liegt. Die Erde selbst wird verflucht, sie gibt ihren Ertrag nicht mehr, und der Mörder wird ruhelos und flüchtig. Dies ist das Los dessen, der nach Blut verlangt: Fluch statt Segen, Unruhe statt Frieden, Unfruchtbarkeit statt Leben.
Der Herr Jesus Christus selbst hat in der Bergpredigt eine klare Stellung zum Gebrauch des Schwertes bezogen. Im Evangelium des Matthäus 5,9 spricht er: „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Und dann, nur wenige Verse später, in Matthäus 5,38-39: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ Dies ist eine radikale Absage an das Prinzip der Vergeltung, an die Logik des Krieges, die immer lautet: Auge um Auge, Schlag um Schlag, Blut um Blut. Jesus durchbricht diese tödliche Spirale und bietet einen anderen Weg an: den Weg der Gewaltlosigkeit, der Feindesliebe, des Leidens statt des Zuschlagens. In Vers 44 fährt er fort: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Dies ist die Sprache des Himmels, die so fremd klingt in einer Welt, die nach Rache schreit.
Als Jesus im Garten Gethsemane verhaftet wurde und Petrus sein Schwert zog, um ihn zu verteidigen, da wies der Herr ihn zurecht mit den unvergesslichen Worten aus Matthäus 26,52: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ Diese Worte sind von prophetischer Klarheit. Sie beinhalten ein geistliches Gesetz, das so unumstößlich ist wie die Gesetze der Natur: Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen. Gewalt gebiert Gewalt. Krieg ruft neuen Krieg hervor. Die Hand, die nach der Waffe greift, zieht das Gericht über sich selbst. Dies ist keine willkürliche Strafe Gottes, sondern die natürliche Konsequenz einer Welt, in der Gewalt mit Gewalt beantwortet wird. Der Kreislauf endet nie, bis alle zugrunde gegangen sind.
Der Prophet Jesaja verkündet in Kapitel 2, Vers 4 eine herrliche Vision vom Reich des Friedens: „Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Dies ist Gottes Wille für die Menschheit: dass Schwerter zu Pflugscharen werden, dass Waffen des Krieges verwandelt werden in Werkzeuge des Lebens und des Wachstums. Und beachtet den letzten Satz: „sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Krieg ist etwas, das gelernt wird. Er ist nicht natürlich, nicht gottgegeben, sondern eine Fertigkeit der Finsternis, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Gottes Verheißung ist, dass in seinem Reich diese unheilvolle Unterweisung ein Ende haben wird.
Doch in unserer gegenwärtigen Welt wird Krieg gelehrt und verherrlicht. Schon die Kinder werden mit Bildern von Helden und Schlachten gefüttert, mit Geschichten von Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld. Die Kriegslust wird genährt durch Lieder und Erzählungen, durch Denkmäler und Feiertage. Das Menschenkind lernt früh, dass Stärke bedeutet, andere zu besiegen, dass Größe bedeutet, Feinde zu vernichten, dass Ehre bedeutet, im Kampf zu obsiegen. Dies alles ist eine Verdrehung der göttlichen Ordnung, eine Perversion dessen, was wahre Stärke, Größe und Ehre bedeuten. Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer 12,21: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Wahre Stärke liegt nicht darin, Böses mit Bösem zu vergelten, sondern darin, Böses mit Gutem zu überwinden. Dies erfordert mehr Mut, mehr Kraft, mehr Größe als jede Schlacht, die je geschlagen wurde.
Der Prophet Jeremia klagt über sein Volk in Kapitel 6, Vers 13-14: „Denn sie geizen alle, Klein und Groß; und Propheten und Priester gehen alle mit Lügen um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: Friede! Friede!, und ist doch nicht Friede.“ Hier sehen wir eine der großen Gefahren unserer Zeit: dass falsche Propheten Frieden verkünden, wo kein Friede ist, oder umgekehrt, dass sie zum Krieg rufen und ihn als notwendig, als gerecht, ja als gottgewollt darstellen. Es gibt jene, die mit religiösen Worten den Krieg heiligen wollen, die behaupten, Gott sei auf ihrer Seite, wenn sie zu den Waffen greifen. Doch dies ist eine Lästerung. Der lebendige Gott, der seinen Sohn sandte, um am Kreuz für seine Feinde zu sterben, segnet nicht die Hand, die nach dem Schwert greift. Er segnet die Hand, die sich ausstreckt zum Frieden, die heilt statt verletzt, die aufrichtet statt niederschlägt.
Im Psalm 68, Vers 31 betet der Psalmist: „Schilt das Tier im Schilf, die Rotte der Ochsen unter ihren Kälbern, die sich unterwerfen um Silberstücke. Er zerstreut die Völker, die gerne Krieg führen.“ Beachtet diesen letzten Satz: Gott zerstreut die Völker, die gerne Krieg führen. Die Kriegslust ist Gott ein Gräuel. Jene, die Gefallen finden am Krieg, die ihn suchen, die ihn lieben, stehen unter dem Gericht Gottes. Sie werden zerstreut, ihre Pläne werden zunichte gemacht, ihr Ruhm wird zur Schande. Der Psalm 33, Vers 16-17 sagt es noch deutlicher: „Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft. Rosse helfen auch nicht, und ihre große Stärke errettet nicht.“ Alle militärische Macht, alle Kriegskunst, alle Waffen sind letztlich nichtig. Sie können nicht retten, sie können nicht wahren Frieden bringen, sie können nicht das Heil schaffen, das die Menschheit so verzweifelt braucht.
Der Prophet Hosea ruft im Namen Gottes in Kapitel 2, Vers 20: „Und ich will zur selben Zeit für sie einen Bund schließen mit den Tieren auf dem Felde, mit den Vögeln unter dem Himmel und mit dem Gewürm des Erdbodens und will Bogen, Schwert und Rüstung im Lande zerbrechen und will sie sicher wohnen lassen.“ Gottes Verheißung ist nicht, dass er uns mächtigere Waffen gibt, sondern dass er die Waffen zerbricht. Er will Bogen, Schwert und Rüstung zerbrechen. Wahre Sicherheit kommt nicht durch Aufrüstung, sondern durch Gottes Gegenwart und seinen Bund. Jene, die in Gott vertrauen, brauchen nicht die Waffen dieser Welt.
Der Apostel Paulus ermahnt uns im zweiten Brief an die Korinther 10,3-4: „Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise. Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.“ Hier wird ein entscheidender Unterschied deutlich gemacht. Ja, wir kämpfen. Aber unser Kampf ist geistlich, nicht fleischlich. Unsere Waffen sind nicht Schwert und Speer, nicht Panzer und Raketen, sondern Gebet und Gottes Wort, Glaube und Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit. Diese Waffen sind mächtiger als alle fleischlichen Waffen, denn sie können Festungen zerstören, die kein irdisches Heer je bezwingen könnte: die Festungen der Lüge, des Hasses, der Angst und der Verzweiflung in den Herzen der Menschen.
Im Brief an die Epheser 6,12 schreibt Paulus weiter: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ Unser wahrer Feind ist nicht der Mensch aus Fleisch und Blut, auch wenn er gegen uns steht. Unser wahrer Feind sind die geistlichen Mächte der Finsternis, die Menschen gegeneinander aufhetzen, die Hass säen und Kriegslust entfachen. Wenn wir gegen Menschen kämpfen, kämpfen wir den falschen Kampf. Wir müssen gegen die geistlichen Mächte kämpfen, die hinter allem Krieg und aller Gewalt stehen.
Der Apostel Jakobus fragt in seinem Brief 4,1-2: „Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: aus euren Lüsten, die da streiten in euren Gliedern? Ihr seid begierig und erlangt’s nicht; ihr mordet und neidet und gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und erlangt nichts, weil ihr nicht bittet.“ Hier wird die Wurzel des Krieges bloßgelegt: Es sind unsere eigenen Lüste, unsere Begierden, unser Neid, unser Habenwollen. Krieg entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus den verdorbenen Herzen der Menschen. Solange diese Herzen nicht verändert werden, solange die Lüste nicht gekreuzigt werden, wird es immer wieder Krieg geben. Die Lösung liegt nicht in besserer Diplomatie oder stärkeren Waffen, sondern in der Umkehr der Herzen zu Gott.
Der Herr Jesus hat uns ein anderes Vorbild gegeben als das des Kriegers. Er selbst ist nicht als siegreicher Feldherr gekommen, sondern als leidender Knecht. Der Prophet Jesaja beschreibt ihn in Kapitel 53, Vers 7: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.“ Jesus hat nicht zurückgeschlagen, hat nicht Legionen von Engeln gerufen, um sich zu rächen, sondern hat gelitten und gebetet für seine Feinde. Am Kreuz, in seinem tiefsten Schmerz, sprach er in Lukas 23,34: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Dies ist das Muster für die Kinder Gottes: nicht Rache, sondern Vergebung; nicht Vergeltung, sondern Fürbitte; nicht das Schwert, sondern das Kreuz.
Der Apostel Petrus ermahnt uns im ersten Brief 2,21-23: „Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet.“ Wir sind berufen, in den Fußstapfen Jesu zu wandeln, nicht in den Fußstapfen der Kriegshelden dieser Welt. Wir sollen nicht widerschmähen, nicht drohen, nicht Rache nehmen, sondern das Gericht Gott überlassen, der allein gerecht richten kann.
Der Psalm 46, Vers 10 gibt uns eine wunderbare Verheißung: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.“ Und in Vers 10 desselben Psalms heißt es: „Er macht Kriege still allenthalben auf Erden, zerbricht den Bogen und zerschlägt die Spieße und verbrennt die Wagen mit Feuer.“ Gott selbst ist es, der Kriege beendet, der Waffen zerstört, der Frieden schafft. Unsere Aufgabe ist es nicht, selbst zu den Waffen zu greifen, sondern stille zu sein, Gott zu erkennen und ihm zu vertrauen, dass er sein Werk tun wird.
Lasst uns auch bedenken, dass jene, die nach dem Schwert greifen, nicht nur den Fluch über sich selbst bringen, sondern auch über ihre Kinder und Kindeskinder. Der Prophet Jesaja warnt in Kapitel 1, Vers 20: „Weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden; denn der Mund des Herrn sagt es.“ Das Schwert frisst jene, die ungehorsam sind, die sich weigern, Gottes Wegen zu folgen. Stattdessen ruft Gott uns in Vers 16-17 desselben Kapitels: „Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen! Höret auf, Böses zu tun! Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helfet den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen Sache!“ Dies ist der Weg des Segens: Gutes tun, Recht suchen, den Unterdrückten helfen, statt Krieg zu führen und Blut zu vergießen.
So lasst uns denn, geliebte Geschwister, in dieser Zeit der Kriegsgeschrei und Gewaltlust eine andere Stimme erheben. Lasst uns nicht mitschreien, wenn die Welt nach Vergeltung ruft. Lasst uns nicht mittun, wenn Menschen nach Waffen greifen. Lasst uns stattdessen Kinder des Friedens sein, Nachfolger dessen, der sein Blut vergossen hat, damit wir leben können, der das Schwert abwies und das Kreuz erwählte. Lasst uns verkünden, dass der Herr nicht segnet die Hand, die nach dem Schwert greift, sondern verflucht jene, die Kriegslust in ihren Herzen nähren. Möge Gott uns Gnade geben, gegen den Strom dieser kriegslustigen Welt zu schwimmen und im Frieden Christi zu bleiben, heute und alle Tage. Amen.

