Friedenssäer in Zeiten der Zwietracht und Spaltung!

Unsere Zeit ist zerrissen von Hass und Spaltung. Bruder steht gegen Bruder, und die Liebe ist erkaltet. Doch Christus ruft uns, nicht dem Strom der Finsternis zu folgen, sondern als Friedensstifter zu leben. Wer im Licht wandelt, soll Frieden säen, wo Zwietracht herrscht.

Es ist eine betrübliche Wahrheit, dass wir in einer Zeit leben, die von Spaltung und Zwietracht durchzogen ist wie ein Gewebe von dunklen Fäden. Wohin wir auch blicken, sei es in den Familien, in den Gemeinden, in den Völkern oder zwischen den Nationen, überall begegnen uns Streit, Bitterkeit und Feindschaft. Bruder steht gegen Bruder, Schwester gegen Schwester, und die Herzen sind kalt geworden, als hätte ein eisiger Winter sie erstarren lassen. In solch einer Zeit ist die Versuchung groß, mit dem Strom der Finsternis zu schwimmen, sich der allgemeinen Verhärtung anzuschließen und selbst Teil der Spaltung zu werden. Doch die Heilige Schrift ruft uns zu einem anderen Weg, zu einem Weg des Lichtes und des Friedens, der gegen den Strom führt und doch allein zum wahren Leben geleitet.

Unser Herr Jesus Christus selbst hat uns gewarnt, dass solche Zeiten kommen würden. Im Evangelium des Matthäus 24,12 spricht er über die letzten Tage: „Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“ Diese prophetischen Worte treffen auf unsere Zeit zu wie ein Pfeil ins Ziel. Die Liebe ist in vielen erkaltet. Nicht nur fehlt sie, sondern sie ist aktiv erstarrt, verwandelt in Gleichgültigkeit oder gar in offenen Hass. Wenn die Ungerechtigkeit überhand nimmt, wenn Lüge und Bosheit sich vermehren, dann wird das Klima zwischen den Menschen frostig und winterlich. Die natürliche Folge ist, dass jeder sich zurückzieht in sein eigenes Lager, misstrauisch gegenüber allen anderen, bereit zum Kampf statt zum Gespräch.

Doch der Herr fügt nicht nur eine Warnung hinzu, sondern auch eine Verheißung. Im selben Kapitel, Vers 13, sagt er: „Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.“ Es gibt also einen Weg hindurch durch diese Zeit der Kälte und der Spaltung. Es ist der Weg des Beharrens, des Festhaltens an der Liebe, auch wenn ringsum alles danach schreit, dass wir sie aufgeben sollen. Dieser Weg erfordert Mut und Entschlossenheit, denn wir müssen gegen den Strom schwimmen, gegen die Welle des Hasses und der Verhärtung, die durch unsere Zeit rollt.

Der heilige Apostel Paulus ermahnt uns im Brief an die Römer 12,2: „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis unserer Aufgabe. Wir sollen uns nicht dieser Welt gleichstellen. Das bedeutet in unserer Situation: Wir sollen nicht die Muster der Spaltung, des Hasses und der Verhärtung übernehmen, die um uns herum so selbstverständlich geworden sind. Stattdessen sollen wir uns ändern durch Erneuerung unseres Sinnes. Unser Denken, unsere Haltungen, unsere Reaktionen müssen von Gott erneuert werden, damit wir nicht automatisch mit dem Strom der Finsternis mitgerissen werden.

Was aber ist dieser Strom der Finsternis? Es ist die Tendenz, Menschen in Lager einzuteilen, in Freund und Feind, in Gut und Böse, und dann jene, die auf der anderen Seite stehen, zu dämonisieren und zu hassen. Es ist die Neigung, schnell zu urteilen, hart zu verurteilen und keine Gnade walten zu lassen. Es ist die Versuchung, uns selbst für gerecht zu halten und alle anderen für verkehrt. Es ist die Gewohnheit, Zwietracht zu säen durch üble Nachrede, durch Verleumdung, durch das Weitergeben von Gerüchten und durch das Schüren von Misstrauen. All dies gehört zur Finsternis, und leider ist es in unserer Zeit zur Normalität geworden, besonders in den Weiten der neuen Verkündigungswege, wo Worte wie Pfeile verschossen werden ohne Verantwortung und ohne Liebe.

Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief 2,9-11: „Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und nichts Anstößiges ist an ihm. Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.“ Diese Worte sind von erschreckender Klarheit. Es ist nicht möglich, im Licht zu sein und gleichzeitig seinen Bruder zu hassen. Der Hass, auch wenn er sich als gerechte Empörung tarnt, ist immer ein Zeichen der Finsternis. Wer im Licht wandelt, der liebt seinen Bruder. Und beachtet, dass Johannes nicht sagt: wer seinen Bruder liebt, wenn dieser liebenswert ist, sondern einfach: wer seinen Bruder liebt. Das schließt auch den schwierigen Bruder ein, den andersartigen, den, mit dem wir nicht übereinstimmen.

Doch wie können wir in solch einer Zeit Friedenssäer sein? Wie können wir Frieden säen, wo Zwietracht wächst? Zunächst müssen wir verstehen, dass Friedenstiften keine passive Haltung ist, sondern eine aktive Tat. Im Evangelium des Matthäus 5,9 spricht der Herr in der Bergpredigt: „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Das Wort „Friedfertige“ meint nicht die Stillen, die einfach Konflikten aus dem Weg gehen, sondern die Friedensstifter, die aktiv Frieden schaffen, die sich einsetzen für Versöhnung, die Brücken bauen zwischen den Verfeindeten. Diese werden Gottes Kinder genannt, denn sie tun das Werk ihres himmlischen Vaters, der selbst durch seinen Sohn Frieden gestiftet hat zwischen Gott und Menschen.

Der Apostel Jakobus gibt uns eine praktische Anweisung in seinem Brief, Kapitel 3, Vers 18: „Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.“ Beachtet die Reihenfolge: Der Friede wird gesät. Er kommt nicht von selbst, er fällt nicht vom Himmel, sondern er muss gesät werden wie ein Same in die Erde. Und diese Aussaat geschieht durch die Friedensstifter, durch jene, die bewusst und gezielt Frieden säen in einer Welt voller Streit. Die Frucht dieser Aussaat ist Gerechtigkeit, das rechte Verhältnis zwischen Menschen und zwischen Mensch und Gott.

Wie aber säen wir konkret Frieden? Paulus gibt uns im Brief an die Römer 12,14-21 einen ausführlichen Katalog von Verhaltensweisen, die dem Friedensstifter angemessen sind. Er schreibt in Vers 14: „Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.“ Dies ist ein revolutionärer Aufruf. Statt zu fluchen, zu verdammen, zu verurteilen, sollen wir segnen. Selbst jene, die uns verfolgen, die gegen uns sind, die uns Unrecht tun, sollen wir segnen. Das bedeutet, dass wir ihnen Gutes wünschen, dass wir für sie beten, dass wir ihnen keine Rache wünschen, sondern Heil. In Vers 15 fährt er fort: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Dies ist die Kunst der Mitempfindung, der echten Teilnahme am Leben des anderen, unabhängig davon, auf welcher Seite einer vermeintlichen Trennung er steht.

Besonders wichtig ist Vers 16: „Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug.“ Hier liegt oft die Wurzel der Spaltung: Wir trachten nach hohen Dingen, wir wollen recht haben, wir wollen überlegen sein, wir halten uns selbst für klug und die anderen für töricht. Diese Überheblichkeit ist Gift für jede Gemeinschaft. Stattdessen sollen wir uns herunterhalten zu den Geringen, demütig sein, bereit, von anderen zu lernen, nicht auf unserem Standpunkt zu beharren, als wäre er das einzig Wahre.

In Vers 17 und 18 mahnt Paulus weiter: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Beachtet die Einschränkung: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt.“ Paulus ist realistisch. Er weiß, dass Frieden nicht immer möglich ist, weil er von zwei Seiten abhängt. Aber er betont: „soviel an euch liegt“. Das heißt, wir sollen alles in unserer Macht Stehende tun, um Frieden zu haben. Wir sollen nicht die Ursache des Unfriedens sein. Wenn Friede nicht möglich ist, dann soll es nicht an uns liegen, sondern an der Halsstarrigkeit des anderen.

Die Verse 19 bis 21 gipfeln in der radikalen Forderung: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr. Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Hier wird der Weg des Friedenssäers vollkommen klar: Wir überwinden das Böse nicht mit Bösem, nicht mit gleicher Münze, nicht mit Rache und Vergeltung, sondern mit Gutem. Wir tun unserem Feind Gutes. Dies ist keine Schwäche, sondern die stärkste Form des Widerstands gegen das Böse, denn es durchbricht die Kette der Vergeltung, die sonst endlos weitergehen würde.

Der Prophet Jesaja ruft im 59. Kapitel, Vers 8, über sein Volk: „Sie kennen den Weg des Friedens nicht, und Unrecht ist auf ihren Pfaden. Sie gehen auf krummen Wegen; wer auf ihnen geht, der hat keinen Frieden.“ Dies beschreibt die Situation unserer Zeit treffend. Viele kennen den Weg des Friedens nicht mehr. Sie haben vergessen oder nie gelernt, wie man Frieden stiftet, wie man Konflikte ohne Hass löst, wie man mit Andersdenkenden in Liebe umgeht. Ihre Pfade sind gekrümmt, verbogen durch Bitterkeit und Vorurteil. Und das Ergebnis ist, dass sie selbst keinen Frieden finden, weder äußerlich noch innerlich.

Doch Gott bietet einen anderen Weg an. Der Prophet Jesaja verkündet in Kapitel 52, Vers 7: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt.“ Der Friedensbote ist dem Herrn lieblich. Seine Füße, die Frieden tragen, sind schön in Gottes Augen. Wir sind berufen, solche Boten zu sein, Verkündiger des Friedens in einer friedlosen Zeit, Prediger der Versöhnung in einer Zeit der Spaltung.

Der Apostel Paulus schreibt im zweiten Brief an die Korinther 5,18-19: „Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ Beachtet, dass Gott uns das Amt der Versöhnung gegeben hat. Dies ist nicht nur für Apostel oder Prediger, sondern für alle Christen. Wir alle haben den Auftrag, Versöhnung zu predigen und zu praktizieren. Gott selbst hat in Christus den Weg der Versöhnung gebahnt, indem er unsere Sünden nicht anrechnete, sondern sie vergab. So sollen auch wir mit anderen umgehen: nicht anrechnen, nicht aufrechnen, nicht in Verbitterung festhalten, sondern vergeben und versöhnen.

In den Psalmen finden wir wunderbare Verheißungen für die Friedfertigen. Psalm 34, Vers 15 ermahnt uns: „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ Beachtet die Dringlichkeit: nicht nur suchen, sondern nachjagen! Der Friede flieht vor uns in dieser gefallenen Welt; wir müssen ihm nachlaufen, ihn aktiv verfolgen, uns anstrengen, ihn zu ergreifen. Und Psalm 37, Vers 37 verheißt: „Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen.“ Dem Friedfertigen, dem Gerechten wird es zuletzt gut gehen, auch wenn er in dieser Zeit Widerstand und Unverständnis erfährt.

Lasst uns auch an die Worte des Apostels Petrus denken, der im ersten Brief 3,11 schreibt: „Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.“ Wieder diese Ermahnung zum aktiven Streben nach Frieden. Es ist kein Zufall, geliebte Geschwister, dass diese Worte mehrfach in der Schrift vorkommen. Gott betont, was wichtig ist. Und in unserer Zeit der Spaltung ist nichts wichtiger als dass Christen sich entscheiden, Friedenssäer zu sein, auch wenn die ganze Welt um sie herum Hass sät.

Schließlich sollen wir bedenken, dass unser Friede von innen nach außen wirkt. Wir können keinen Frieden nach außen tragen, wenn wir ihn nicht selbst im Herzen haben. Der Herr Jesus spricht im Evangelium des Johannes 14,27: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ Christus gibt uns seinen Frieden, einen Frieden, der nicht von den Umständen abhängt, der nicht wankt, wenn Stürme toben. Dieser Friede muss zuerst in uns wohnen, damit wir ihn weitergeben können.

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Philipper 4,7: „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Dieser Friede ist höher als alle Vernunft. Er macht keinen Sinn in einer Welt des Hasses. Er ist unerklärlich für die, die nur nach weltlicher Logik denken. Aber er ist real und mächtig. Er bewahrt unsere Herzen und Sinne, sodass wir nicht mitgerissen werden vom Strudel der Spaltung.

So lasst uns denn, meine geliebten Brüder und Schwestern, in dieser Zeit der Prüfung standhaft bleiben. Lasst uns nicht mit dem Strom der Finsternis gehen, sondern gegen ihn schwimmen im Licht des Herrn. Lasst uns Frieden säen, wo Zwietracht wächst, Liebe üben, wo Hass regiert, und Versöhnung anbieten, wo Spaltung herrscht. Dies ist unser Auftrag, dies ist unsere Berufung, dies ist der Weg, auf dem wir als Kinder Gottes erkannt werden. Möge der Herr uns Kraft geben, treu zu sein in dieser schweren Zeit, und möge sein Friede, der höher ist als alle Vernunft, unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.